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Interviews

Wie 3D-Druck den digitalen Workflow beschleunigt: Über Kostenvergleiche und Zertifizierung

Karsten Tegtmeyer ist Zahntechniker auf ganzer Linie: Er ist nicht nur Inhaber des Dentsbay Dentallabors in Münster, sondern auch in der Geschäftsführung der Dentallabors des Universitätsklinikums Münster (UKM) und als Betatester für 3Shape tätig.

In seinem eigenen Betrieb beschreitet Karsten Tegtmeyer neue Wege der digitalen Fertigung für eine Vielzahl von Indikationen. Im Universitätslabor stellt der gelernte Zahntechnikmeister Professoren, Oberärzten und Studierenden die digitalen Arbeitswege- und ergebnisse vor. Nicht zuletzt vertritt er als Redner für 3Shape die digitale Zahntechnik auf Konferenzen wie der IDS oder ADT vor internationalem Fachpublikum.

Im Interview berichtet Karsten Tegtmeyer, wie die 3D-Drucktechnologie schrittweise Einzug in seine Praxis erhalten hat und klärt über Preis-Leistungs-Verhältnis von DLP- und SLA-Druckern sowie Zertifizierungen von Materialien und Arbeitsprozessen auf.

Herr Tegtmeyer, was bedeutet in Ihrem Arbeitsalltag Digitalisierung für Sie?

Im Universitätslabor geht es genauso wie in meinem eigenen Betrieb darum, immer mehr Prozesse digital umsetzen: Das fing an mit Brücken und Kronen und jetzt sind wir schon so weit, dass wir auch Sekundärkonstruktionen digital anfertigen und in Baugruppen zusammensetzen.

Mit mehr medizinisch zertifizierten Materialien ist auch das Spektrum an Indikationen gewachsen: von Aufbissschienen über Abdrucklöffel bis zu Klammerprothesen. Eines der prominentesten Beispiele sind Bohrschablonen, die mithilfe einer digitalen Planungssoftware z.B. von 3Shape, erstellt und im 3D-Druckverfahren direkt gefertigt werden können.

Kosten- und Zeitaufwand Bohrschablone

Betriebsinterner 3D-Druck Dienstleister
Kosten 2€ 58–150 €
Zeit 3 Stunden 2,5 Tagen

Wie hat speziell der Einsatz von 3D-Druck Ihre Arbeit verändert?

Bestimmte Verfahren lassen sich mit 3D-Druck besser anfertigen als mit dem Fräsverfahren, das heute mit den Standard-5-Achs-Maschinen auf dem Markt erhältlich ist, da man durch die Achsen in der Bewegung deutlich beschränkter ist.

Der Vorteil zu Fräsmaschinen ist auch weniger Materialverbrauch bei geringerem Verschleiß, denn mit dem Kunstharz wird nur das Objekt gefertigt und der Rest kann wiederverwertet werden. Ökologisch ist es besser, wenn wir weniger Material verbrauchen und weniger Reste produzieren. Bei einer Fräsmaschine verbrauche ich neben den Objekten zusätzliche 30 bis 40 % Material.

Wie stehen Sie zur Debatte um Genauigkeit und Geschwindigkeit bei DLP-Drucker im Vergleich zu kostengünstigeren SLA-Druckern?

Für die Produktion von Gussteilen, Bohrschablonen und Löffeln muss es nicht der teure Drucker sein. Und wenn der Drucker nachts läuft, muss es auch nicht der schnellste Drucker sein. Natürlich ist der DLP schneller, weil er nicht punktuell belichtet wie der Laser im SLA 3D-Drucker. Aber in der Genauigkeit, gerade mit dem neuen Formlabs Modell Kunstharz sind die Abweichungen mit -/+ 25µ denkbar gering. Gerade für kieferorthopädische Anwendungen ist die Passung hervorragend.

Das Geniale: Wenn ich mir für 10-15.000 Euro einen Medizindrucker hole, kann ich mir nur einen holen. Wenn ich mir einen Formlabs 3D-Drucker hole, kann ich mir mehrere 3D-Drucker holen und in dem einen Modelle produzieren, im nächsten Wachsmodelle und im dritten produzierte ich Schienen. So bin ich flexibler und kann mit einem geringeren Kapitalaufwand eine höhere Effizienz erreichen.

Beispiel Bohrschablone: Prozess vom 3D-Druck zur autoklavierten Bohrschablone.
Beispiel Bohrschablone: Prozess vom 3D-Druck zur autoklavierten Bohrschablone.

Was ist neben der Preisfrage die größte Unsicherheit für Ihre Kollegen?

Die größte Verunsicherung sind spezielle Materialien für Indikationen. Je mehr Materialien auf den Markt kommen, desto einfacher wird auch unsere Arbeit als Zahntechniker. Formlabs beispielsweise hat allein in diesem Jahr vier neue Materialien angekündigt, unter anderem für Totalprothesen.

Die Gesetzeslage ändert sich gerade dahin, dass nicht nur Materialien sondern der Gesamtprozess zertifiziert sein muss. Aber auch das ist mit dem jetzt erhältlichen Nachbearbeitungsgeräte Form Wash und Form Cure für das Waschen und Nachhärten gesichert.

Der komplette Workflow von der PreForm-Software über den Form 2 3D-Drucker und den Nachbearbeitungseinheiten Form Wash und Form Cure.
Der komplette Workflow von der PreForm-Software über den Form 2 3D-Drucker und den Nachbearbeitungseinheiten Form Wash und Form Cure.

Sie sind generell gut vertraut mit dem “digital workflow”. Was würden Sie Kollegen nahelegen, die sich mit dem Thema noch nicht so gut auskennen?

Medizinische DLP-3D-Drucker liegen heute bei etwa 10.000 Euro und sind dabei schon günstig: Den ersten 3D-Drucker habe ich mir noch für mehr als den doppelten Preis geholt. Als ich mit dem Form 2 SLA 3D-Drucker anfing, Bohrschablonen zu drucken, hat der Behandler diese bevorzugt: Das Dental SG Kunstharz war elastischer als beim Medizindrucker und damit angenehmer für die Implantierung.

Der Clou ist: Aus der Maschine kommt ein fertiges Objekt, ohne dass ich ein Modell machen muss. Als Labore wollen wir schnell und flexibel sein und auf unsere Geschäftspartner reagieren können.

Neu in der digitalen Zahnmedizin? Lernen Sie hier mehr über die Unterschiede beim analogen und digitalen Workflow.

Wie verändert der Form 2 3D-Drucker schon heute Arbeitsabläufe in Ihrem Labor?

Manchmal brauche ich nur einen Stumpf und kein ganzes Modell. Und den kann ich mir in einer Stunde ausdrucken und hab ihn fertig. Egal, welche Größe oder Anzahl eines Modells, bin ich schneller und flexibler als wenn ich einen Datensatz verschicke: Dann warte ich 48 Stunden und damit verschiebt sich auch ein Termin um 48 Stunden. Ein Löffel muss am nächsten Tag fertig sein. Ich könnte ihn auch mithilfe von Lichthärtekunststoffplatten selbst machen. Aber warum, wenn ich auch über Nacht drucken kann und die Zeit besser nutzen kann – um neue Dinge auszuprobieren.

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