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Ihre liebsten Superhelden aus dem 3D-Drucker: Hasbro startet mit Mass Customization

Two high-quality, mass customized Hasbro Selfie Series figures.

In seinem bahnbrechenden Projekt Hasbro Selfie Series startet Hasbro mithilfe von 3D-Druck in die Produktion individualisierter Actionfiguren im großen Maßstab. Damit bekommen Fans jetzt zum ersten Mal personalisierte, nach ihrem Ebenbild designte Actionfiguren direkt an die Haustür geliefert, auf Grundlage eines Gesichtsscans mit dem Smartphone.

Das Projekt ist das Ergebnis jahrelanger Investitionen in Formlabs' Technologie des Stereolithografie-3D-Drucks (SLA) und eines unermüdlichen Strebens danach, Fans noch tiefer in ihre Lieblingswelten eintauchen zu lassen. Wir bieten Ihnen einen Blick hinter die Kulissen und zeigen Ihnen, wie Hasbro mithilfe von 3D-Druck in die kundenindividuelle Massenproduktion (auch Mass Customization genannt) einsteigt.

Der größte Wunsch der Fans wird erfüllt: Ein Teil ihrer Lieblingsgeschichten zu werden

Als Hersteller von Spielzeug für einige der beliebtesten urheberrechtlich geschützten Marken der Welt ist Hasbro ständig auf der Suche nach Wegen, Fans immer wieder neue spannende und unvergessliche Erlebnisse zu bieten.

In den letzten paar Jahren wurden die Stimmen unüberhörbar laut, die sich von Hasbro eine Möglichkeit zur Personalisierung ihrer Spielfiguren wünschten. Mass Customization, oder kundenindividuelle Massenproduktion, war hinsichtlich der Skalierung der Produktion schon immer eine Herausforderung, da sie einen Balanceakt zwischen Qualität, Markteinführungszeit und Preis darstellt. Obwohl Fans schon immer davon träumten, sich in ihre Lieblingsfiguren verwandeln zu können, ließ sich dies im großen Maßstab bisher nicht verwirklichen.

Für das Problem der Mass Customization suchte das Team von Hasbro (das ebenfalls aus riesigen Fans besteht) seit Langem eine Lösung, die kundenindividuelle Actionfiguren und Spielzeuge endlich zur Realität machen würde. Deshalb ist der Start von Hasbros Selfie Series so ein großer Meilenstein: Er ist das Ergebnis eines lang verfolgten Ziels und der Beginn einer neuen Ära der kundenindividuellen Massenproduktion in der Unterhaltungsindustrie.

Neue Technologie macht Fans zu Protagonisten

Wenn es um neue Technologien geht, gehörte Hasbro schon immer zu den Vorreitern und implementierte schon 1995 den 3D-Druck für Rapid Prototyping. Das interne Entwicklerteam von Hasbro sieht in der Technologie eine Chance, Fans genau das zu liefern, was sie wollen, und so an der Spitze der Spielwarenbranche zu bleiben.

„Wir widmen unseren Kunden viel Zeit, um ihre Wünsche und Vorstellungen genau zu verstehen. Darauf aufbauend entwickeln wir dann den Plan für die Kreation unserer neuen Produkte“, erzählt Patrick Marr, Senior Director of Model Development bei Hasbro.

Irgendwann waren die alten, industriellen Drucker des Unternehmens nicht mehr in der Lage, mit den sich ständig wandelnden Ansprüchen der Fans Schritt zu halten. Also entschied sich das Team, mit dem Kauf eines Desktop-3D-Druckers von Formlabs in den SLA-Druck einzusteigen und damit auch Möglichkeiten zur Produktion für die Endverwendung zu erkunden.

„Schon ganz am Anfang haben wir 3D-Drucker genutzt, um Prototypen von Produkten zu entwickeln. Dafür hatten wir große, industrielle Geräte, die aber nicht immer zu unseren Bedürfnissen passten. Also suchten wir nach anderen Optionen, mit denen wir die Wünsche unserer Kunden schneller und mit neuen, bereits verfügbaren Materialien bedienen können. Als wir mit Formlabs zu arbeiten begannen, dachten wir immer, wie cool es doch wäre, Micro-Manufacturing in unsere regulären Produktlinien zu integrieren. Das hatten wir immer im Hinterkopf.“

Patrick Marr, Senior Director of Model Development bei Hasbro

Vor Kurzem machte das Erscheinen zweier neuer Technologien den Traum schließlich zur Wirklichkeit: Eine einfach zu handhabende, mobile Gesichtsscan-Technologie und erschwinglicher, betriebsinterner SLA-3D-Druck in Industriequalität wurden endlich verfügbar. Als Hasbro die Chance erkannte, die additive Fertigung auch über die Prototypenherstellung hinaus einzusetzen, investierte das Unternehmen in eine agile Digital Factory aus 3D-Druckern von Formlabs.

„Als wir unseren ersten SLA-Drucker für den Desktop anschafften, hat Formlabs sich immer Feedback von uns eingeholt. Wir haben Rückmeldungen zur Benutzeroberfläche, der Bauweise und den Supportstrukturen gegeben, und diese hat Formlabs in die Entwicklung der Drucker mit einbezogen. Also wussten wir: Wenn ein Unternehmen wirklich gewillt ist, uns zuzuhören und sein Produkt zu optimieren, dann verbessert das unsere Chancen, etwas auf den Markt zu bringen, das wirklich unserer Vision entspricht“, erklärt Marr.

Während des Entwicklungsprozesses von Hasbro Selfie Series, das zu einem immer größeren Projekt wurde, blieben Hasbro und Formlabs stets eng in Kontakt. Brian Chapman, Vorsitzender und Head of Global Design and Development für den Bereich Spielwaren/Spiele/Verbraucherprodukte bei Hasbro, berichtet Folgendes: „Es war nichts Ungewöhnliches für mich, an einem Dienstag anzurufen und zu verkünden, dass das Projekt noch etwas größer angelegt sein würde als am Vortag besprochen.“  

Zusammen mit der Vision, wie sich mobile Scantechnologie mit 3D-Druck kombinieren lassen würde, entwickelte sich bei Hasbro auch die Vorstellung vom Umfang des Projektes immer weiter. Statt einer einfachen Kleinserie von 500 Figuren begann man mit dem Gedanken zu spielen, den 3D-Druck durchgehend in der Produktion von Actionfiguren einzusetzen und basierend auf den eingehenden Aufträgen nach Bedarf zu drucken. Um die Idee zu testen, startete das Team eine „Mini Factory“ nahe des Hauptquartiers in Rhode Island. So konnte es herausfinden, wozu der betriebsinterne 3D-Druck imstande ist, ohne bereits vollständig in eins große, agiles Fertigungssystem zu investieren. Als klar wurde, dass das Konzept Potenzial hatte, begann das Team von einer größer angelegten Markteinführung zu träumen.

Beispiele von Figuren der Hasbro Selfie Series für den Verkauf an Kund*innen.

Beispiele von Figuren der Hasbro Selfie Series für den Verkauf an Kund*innen. 

Um die Hasbro Selfie Series Wirklichkeit werden zu lassen, hatte das Team eine Menge Herausforderungen zu meistern, denn für die Implementierung von Mass Customization in so großem Maßstab gab es keinen Leitfaden. Außerdem war die Individualisierung der Produkte allein nicht genug. Die Herstellung personalisierter Actionfiguren zu astronomischen Kosten kam nicht infrage: Was das Team brauchte, war eine hochwertige, individuell anpassbare, aber erschwingliche Lösung.

Formlabs nimmt das Projekt und dessen Optimierung wirklich ernst, anstatt einfach nur zu sagen, hier habt ihr den Drucker, hier ist das Kunstharz, viel Spaß. Das hat für uns einen großen Stellenwert eingenommen, denn im Laufe der Zeit gab es eine Menge technischer Hürden zu überwinden.

Patrick Marr, Senior Director of Model Development bei Hasbro

Stereolithography
Whitepaper

Einführung in den 3D-Druck mit Desktop-Stereolithografie (SLA)

Lernen Sie in diesem Whitepaper das Verfahren der Stereolithografie (SLA) näher kennen – von seiner Funktionsweise bis hin zu den Gründen für seinen Status als populärste 3D-Drucktechnologie für kundenindividuelle Massenproduktion und die Umsetzung hochgradig detailtreuer Modelle.

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Vom Scan zur Lieferung

Dank der Hasbro Pulse App ist es für Kund*innen ganz einfach, eine individualisierte Actionfigur zu bestellen. Sie brauchen nur ihr Gesicht mit einem Smartphone zu scannen und einen Charakter auszuwählen, und die neu kreierte Figur wird ihnen bis an die Haustür geliefert. So funktioniert der Bestellprozess:

Step 1
Schritt 1

Nach der Installation der Hasbro Pulse App wird das Gesicht gescannt, die Haarfarbe ausgewählt und die gewünschte Actionfigur ausgesucht. Dieser Vorgang findet komplett in der Hasbro Pulse App statt.

Fleet of Formlabs Desktop 3D Printers
Schritt 2

Die gewählten Einstellungen werden an die Druckfabrik von Hasbro versandt und landen automatisch in der Warteschlange für die Fertigung.

Step 3
Schritt 3

Der personalisierte Figurenkopf und ein standardmäßiger Körper der Actionfigur werden zusammengesetzt.

Step 4
Schritt 4

Die individualisierte Actionfigur wird an die Lieferadresse versandt.

Hasbro entschied sich schließlich für einen hybriden Fertigungsansatz. Für den Körper der Actionfiguren werden weiterhin traditionell massenproduzierte Spritzgussteile verwendet, während Kopf und Haare 3D-gedruckt und auf den Körper aufgesetzt werden, um die fertige Figur zu erhalten. So wird der Großteil der Actionfigur zwar immer noch mittels Spritzguss produziert – was die Kosten niedrig hält –, doch der wichtigste Teil, der Kopf, kann vor dem Zusammenbau beliebig gestaltet werden. Durch den Einsatz von Software zur Zuordnung eines Gesichtsscans zur jeweils gewählten Haarfarbe und Frisur ist es Hasbro gelungen, ein skalierbares Produktionssystem zu entwickeln, in dem die massenproduzierten Figurenkörper und die 3D-gedruckten, personalisierten Köpfe und Haaraufsätze direkt richtig kombiniert werden.

Speziell entwickelte, hochwertige SLA-Materialien von Formlabs

Laut Patrick Marr gab es zwei Gründe, weswegen sich Hasbro zur Lösung dieses Problems an das Team von Formlabs Factory Solutions wandte. 

Zum einen konnten sie auf diese Weise ein eigenes Kunstharz für ihre Drucke kreieren. Mit mehr als 20 Kunstharzen bieten die SLA-Drucker von Formlabs das richtige Material für eine große Bandbreite von Anwendungen – von starken, belastbaren und bruchbeständigen Teilen bis hin zu flexiblen, elastischen Teilen. Doch für dieses Projekt war eine breite Palette von Farbtönen für die verschiedensten Haar- und Hautfarben gefragt, bei gleichbleibenden mechanischen Eigenschaften, sodass ein speziell kreiertes Kunstharz die beste Lösung war. Dafür stellte Formlabs Hasbro ein Team erstklassiger Materialwissenschaftler zur Verfügung, die basierend auf unserem Kunstharz Tough 1500 Resin gemeinsam das erforderliche Material entwickelten. Da dieses problemlos mit dem standardmäßigen Drucker Form 3 kompatibel war, brauchte Hasbro nicht einmal seine Hardware aufzurüsten. Formlabs' hauseigenes Kunstharz-Produktionszentrum in den USA gewährleistete zudem eine robuste lokale Lieferkette für die langfristige Produktion, sodass Hasbro die Fertigung mit dem neuen Material nach Bedarf ausdehnen konnte.

Der andere Grund für die Zusammenarbeit mit Formlabs war die Qualität der fertigen Teile, die das Team von Hasbro auf der Konstruktionsplattform erwarteten. Bevor auch nur ein einziges 3D-gedrucktes Teil an Kunden versandt werden konnte, musste sich Hasbro sicher sein können, dass die gedruckten Teile genauso gut oder noch hochwertiger waren als die bisher auf dem Markt angebotenen Actionfiguren.

„Als wir die Scans zum ersten Mal sahen, nachdem sie auf dem Formlabs-Drucker gedruckt wurden, wussten wir, dass die Qualität stimmte. Wir wussten, dass wir die Hauttöne gut getroffen hatten, dass wir etwas Gutes entwickelt hatten. Dann fügten wir sie mit den Frisuroptionen zusammen und das machte die Figuren wirklich komplett. Auf einmal wurde deutlich, dass es eine Brücke zwischen der Prototypenphase und der Produktionsphase gibt.“

Patrick Marr, Senior Director of Model Development bei Hasbro

Echte kundenindividuelle Massenproduktion

Brian Chapman mit seiner eigenen personalisierten Actionfigur.

Brian Chapman mit seiner eigenen personalisierten Actionfigur.

Die Partnerschaft mit Hasbro ist ein weiterer Meilenstein in der Ausweitung von 3D-Druckanwendungen von der Prototypenfertigung bis zur skalierbaren Produktion. Die Figuren der Hasbro Selfie Series setzen einen neuen Maßstab für Mass Customization in der Spielwarenfertigung und werden Hasbros Hoffnungen nach ein Fundament für die Überbrückung der Kluft zwischen Fandom und Realität bilden. 

„Die Hasbro Selfie Series wird noch größer werden. Wir planen dem Projekt weitere Figuren hinzuzufügen, was wirklich spannend ist. Wir werden die Grenzen weiter ausdehnen, neue Horizonte erschließen und die Beziehungen zu unserer Kundschaft über das gesamte Portfolio hinweg stärken. Außerdem erkunden wir noch weitere Wege, um für das ganze Portfolio das Meiste aus der Individualisierung von Produkten herauszuholen“, so Chapman.

Vorerst können in der Hasbro Pulse App Bestellungen für die erste Iteration der Hasbro Selfie Series aufgegeben werden. Damit bietet Hasbro den Fans ein individualisiertes Erlebnis, bei dem sie selbst an erster Stelle stehen, und wir bei Formlabs sind stolz, ein Teil ihrer Geschichte zu sein.  

Ab Herbst werden Bestellungen für die Hasbro Selfie Series angenommen, und spannende neue Figuren sind für die Zukunft bereits geplant. Kontaktieren Sie unser Beratungsteam, um mehr über Kooperationsmöglichkeiten mit Formlabs zur Erforschung und Umsetzung neuer Anwendungsbereiche für den 3D-Druck zu erfahren.