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Interview

Eye-2-Eye Communications: Druck von 30 000 Abstrichtupfern täglich in Singapur

In der globalen COVID-19-Pandemie sorgten Engpässe bei den Test-Abstrichtupfern für negative Auswirkungen auf die Gesundheitssysteme weltweit. In Singapur entwickelte ein Konsortium aus der Gesundheitsbranche unter Führung von Dr. Ho Chaw Sing einen eigenen Abstrichtupfer. Dr. Ho Chaw Sing, leitender Geschäftsführer des National Additive Manufacturing Innovation Cluster (NAMIC), bat Formlabs und unseren Vertriebspartner Eye-2-Eye Communications um Hilfe bei der schnellen Entwicklung eines klinisch erprobten, kostengünstigen 3D-gedruckten Nasenrachenabstrichtupfers, um bevorstehenden Engpässen in der Lieferkette entgegenzuwirken. 

Erfahren Sie in diesem Beitrag, wie Eye-2-Eye die Produktion von Abstrichtupfern auf 30 000 Tupfer pro Tag hochfuhr und wo die Reise als Nächstes hingeht. 

Eye-2-Eye ermöglicht Produktion mit 3D-Druck

„Wir sind sehr stolz darauf, im globalen Kampf gegen COVID-19 helfen zu können. Nasenrachenabstrichtupfer ermöglichen Tests, ein wichtiges Glied in der Kette zur Kontrolle der Pandemie, und Project Python bietet Singapur umfangreiche Produktionskapazitäten für Tupfer im eigenen Land. Wir haben jetzt Fertigungsstätten für Abstrichtupfer in verschiedenen Ländern der Welt eingerichtet, ein Zeugnis für die Agilität und die verteilten Herstellungskapazitäten, die 3D-Druck bieten kann.“

Formlabs CEO Max Lobovsky

Eye-2-Eye ist ein führender Technologiehändler auf den südostasiatischen Märkten und legt besonderes Augenmerk auf das Gesundheitswesen und die Dentalindustrie. Das Unternehmen hilft Kunden bei der Investition in digitale Lösungen. Einer der ältesten Anbieter von Formlabs-Produkten in Asien, Eye-2-Eye, hilft Kunden schon seit langem dabei, die richtige 3D-Drucklösung zu finden.

Im April rief der National Additive Manufacturing Innovation Cluster (NAMIC) unter Führung von Dr. Ho Chaw Sing zusammen mit Teams der National University of Singapore (NUS) und dem National University Hospital (NUH) ein Branchenkonsortium aus verschiedenen Fachleuten ins Leben und bat dabei Eye-2-Eye und Formlabs um Hilfe. 

Mehrere Abteilungen der NUS und des NUH haben daran gearbeitet, schnell 30 Abstrichtupfer-Prototypen zu entwickeln und zu testen. Nach strengen Tests hat das Modell „Python“ eine vergleichbare Genauigkeit, Leistung und Komfort wie ein nicht 3D-gedruckter Abstrichtupfer an den Tag gelegt. Nach erfolgreichen klinischen Versuchen wurde der Python für die Serienproduktion ausgewählt. Dank der Vielseitigkeit und Präzision des Form 3B gab es nur minimale Designeinschränkungen für das Team der NUS. So konnte eine genaue, filigrane Geometrie in Serie gefertigt werden.

In weniger als zwei Wochen gelangte das Team von Eye-2-Eye von einem leeren Raum zu einer umfassenden Produktion in einem nach ISO 13485 zertifizierten Werk, in dem ein Team aus über 50 Mitarbeitern sieben Tage pro Woche arbeitet. Nach der Nachbearbeitung der Abstrichtupfer mit dem Form Wash und Form Cure durchläuft jeder Abstrichtupfer eine Qualitätsprüfung. Es war aufgrund der intuitiven Bedienung der Drucker leichter als erwartet, die Anzahl der Drucker zu vergrößern, und der gesamte Fertigungsprozess vom Druck über die Sterilisation bis hin zur Verpackung erfolgte betriebsintern. Sobald der Abstrichtupfer die Kriterien erfüllt, wird er einzeln verpackt und dann mit einem Ethylenoxid-System sterilisiert.

Die Abstrichtupfer werden mit Surgical Guide Resin gedruckt. Unser Team aus Werkstoffingenieuren hat dieses Kunstharz speziell für Formlabs-Drucker entwickelt. Es ist eines unserer biokompatiblen Materialien, die die Anforderungen der Klasse I erfüllen und CE-zertifiziert sind. Es wird für gewöhnlich in medizinischen Anwendungen mit kurzfristigem Haut- oder Schleimhautkontakt verwendet, bei denen hohe Maßgenauigkeit, Steifigkeit und Festigkeit erforderlich sind. Es wurde eingehend mit Autoklaven, Lösungsmitteln und Implantatsystemen getestet.

„Es fühlte sich an, wie das Ende der Welt. Es war eine riesige Herausforderung, in kurzer Zeit unter hohem Druck eine kostengünstige und funktionsfähige Lösung zu finden.“

Dr. Ho Chaw Sing

Eine große Erfolgsgeschichte: 30 000 Abstrichtupfer täglich

In weniger als zwei Monaten entwickelte, testete und validierte das Team einen Abstrichtupfer und fertigte ihn in Serie. Eye-to-Eye ermöglichte die Produktion von bis zu 30 000 Python-Abstrichtupfer täglich mit einer Flotte aus Form-3B-Druckern. Zum jetzigen Zeitpunkt wurden über 3 Millionen Tupfer gedruckt – Zahl steigend. Ziel ist es, vor November 2020 über vier Millionen Abstrichtupfer herzustellen. 

„Wir freuen uns, Teil der Bemühungen von Singapur im Kampf gegen COVID-19 zu sein“, so Miles Podmore, Chief Executive Officer von Eye-2-Eye Communications. „Es war nicht nur eine herausragende Möglichkeit, die Vorteile des 3D-Drucks zum schnellen Designen und Entwickeln zu demonstrieren, sondern auch die Effizienz von Formlabs zu zeigen, Produkte in einer sehr kurzen Zeit in Serie zu fertigen. Da wir steigende Fallzahlen auf der ganzen Welt verzeichnen, ist es beruhigend, zu wissen, dass wir unsere Produktion bei Bedarf relativ einfach hochfahren können.“

Miles Podmore, Chief Executive Officer von Eye-2-Eye Communications

Wohin die Reise für Eye-2-Eye und 3D-Druck geht

Eye-to-Eye behält COVID-19 weiter im Auge und ist bereit, Millionen mehr Abstrichtupfer zu drucken, um zukünftigen Engpässen entgegenzuwirken. Doch das Unternehmen blickt auch in die Zukunft und was diese für die 3D-Druck-Flotte birgt.

Miles Podmore sieht eine große Chance für Eye-2-Eye, auf Zahnmodelle für die Alignerherstellung zu setzen. In den nächsten Wochen wird Eye-2-Eye Aligner, Modelle mit abnehmbaren Stümpfen, biokompatiblen Borhschablonen, Schienen und anderen Indikationen für Dentallabore oder Praxen produzieren, die die Produktion auslagern möchten. Der Markt für transparente Aligner und Retainer ist mittlerweile ein reifes und schnell wachsendes Segment in der Kieferorthopädie; die jüngsten technologischen Fortschritte bei CAD-Software und 3D-Druck ermöglichen es jedem Labor und jeder Praxis, diesen wertvollen Dienst anzubieten und mit einer geringen anfänglichen Investition Aligner und Retainer betriebsintern herzustellen. Für Interessenten, die noch mehr über 3D-gedruckte Aligner wissen möchten, verfügt Eye-2-Eye über die idealen Partner, um diese Technologie kennenzulernen und das Angebot zu vervielfältigen. 

Den 3D-Druckbetrieb so schnell zu erweitern wie  Eye-2-Eye ist keine leichte Aufgabe. Für Unternehmen, die die 3D-Druckproduktion schnell hochfahren möchten, hat Formlabs Factory Solutions ins Leben gerufen. Formlabs Factory Solutions ist ein umfassendes und individuell gestaltetes Paket für Hersteller, das 3D-Druck-Hardware, -Software und -Materialien enthält. Formlabs hat mit Unternehmen wie Eye-2-Eye zusammengearbeitet, um deren Fertigungsprozess effizienter zu gestalten und ihnen dabei zu helfen, ihre Geschäftsziele mit 3D-Druck zu erreichen.