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Brancheneinblicke

Strategien für Gesundheitssysteme zur Finanzierung medizinischen 3D-Drucks

Finanzierung im Gesundheitswesen kann ein komplexer, schwer durchschaubarer Vorgang mit vielen beteiligten Parteien sein, wie Anbietern, Kostenträgern, Patienten und Produktherstellern. Wir wissen, dass in Gesundheitssystemen verschiedene Strategien zum Einsatz kommen, was die Finanzierung des medizinischen 3D-Drucks mit Formlabs angeht.  

Das Team von Formlabs Medical hat kürzlich einige Krankenhäuser unter unseren Kunden dazu befragt, wie ihre jeweiligen Systeme an die Finanzierung des medizinischen 3D-Drucks herangehen. Dass wir darauf mehr als eine Antwort erhielten, war wenig überraschend. In diesem Blogbeitrag diskutieren wir die vier häufigsten Strategien, die in Gesundheitssystemen zur Finanzierung medizinischen 3D-Drucks gefunden wurden.

Dazu gehören: 

  1. Kostenerstattung durch Dritte

  2. Erfassung der Operationserfolge und Kosteneinsparungen 

  3. Interne Abrechnung

  4. Forschungsförderung und Zuschüsse

Kostenerstattung durch Dritte

Im Zusammenhang mit der Kostenerstattung durch Dritte meinen wir Kostenträger, wie Medicare und Medicaid, in den USA oder private Gesundheitsversicherungen, die Gesundheitsversorgern (z. B. Krankenhäusern, Arztpraxen oder Kliniken) die Kosten für die vom Patienten erhaltenen Artikel oder Dienstleistungen erstatten. Die Normen und Richtlinien zur Kostenerstattung entwickeln sich stetig weiter, durch behördliche Vorgaben, die Nutzung und klinische sowie wirtschaftliche Belege. 

Bevor wir uns eingehender damit befassen, sollten wir darauf hinweisen, dass die Kostenerstattung für medizinischen 3D-Druck zum Stand 2020 begrenzt ist. Die Situation bezüglich der Kostenerstattung für 3D-Druck ändert sich aber rapide, da es 2019 einige entscheidende Fortschritte gab. Juli 2019 traten vier neue Codes in Current Procedural Terminology (CPT®) III der American Medical Association (AMA) in Kraft. 

Ärzte und andere Gesundheitsversorger nutzen CPT®-Codes, um den Bezug medizinischer Dienstleistungen zu verfolgen, und Kostenträger nutzen sie für die Abwicklung. Es gibt drei Kategorien von CPT®-Codes: I, II und III. Codes der Kategorie III sind provisorische Codes, die die Erfassung von Daten zu neuen Technologien, Dienstleistungen und Verfahren ermöglichen. Die Kosten werden bei CPT®-III-Codes zwar selten von Kostenträgern erstattet, doch sie werden zusammen mit der Nutzung verfolgt und liefern wichtige Daten, die den Wert von 3D-Druck-Dienstleistungen für die Zukunft aufzeigen.

Nach der Einführung der CPT-Codes gaben die Radiological Society of North America (RSNA) und das American College of Radiology (ACR) ein neues Register zur Erfassung und Verfolgung der Daten bekannt. Dieses Register wird von RSNA, ACR und Partnern in der Industrie, darunter auch Formlabs, unterstützt. Die Kostenerstattung basiert auf klinischen Nachweisen. Daher ist es unverzichtbar, derartige Nachweise zu sammeln, um mit der Zeit Codes der Kategorie I zu erzielen. 

Die meisten Einrichtungen rechnen noch keine Leistungen für medizinischen 3D-Druck ab. Eine der von uns kontaktierten begann jedoch damit, 3D-gedruckte Anatomiemodelle und Bohrschablonen bei Versicherungsdienstleistern abzurechnen. Wenn eine Einrichtung beginnt, eine Dienstleistung abzurechnen, sind verschiedene Aspekte zu bedenken. Zunächst haben Krankenhäuser in der Regel Verträge mit mehr als einem Versicherungsdienstleister. Wenn ein privater Versicherungsdienstleister beginnt, eine Leistung zu übernehmen, tun andere es ihm nicht unbedingt gleich. Außerdem erhalten Patienten wahrscheinlich eine Rechnung für die Dienstleistung, wenn Versicherungsansprüche von Versicherungsdienstleistern abgelehnt werden. 

Bei Medizintechnologien, wie dem 3D-Druck, erfolgt eine allgemeine Kostenübernahme durch Kostenträger oft erst nach einem langwierigen Prozess, der in der Grafik unten dargestellt ist. Nach Einführung einer Technologie, beginnen innovative erste Nutzer, klinische Forschungsarbeiten durchzuführen und zu veröffentlichen. Die Nutzung und allgemeine Akzeptanz steigt, sodass Behörden (wie die amerikanische Food and Drug Administration) Stellungnahmen einholen und Richtlinien aufstellen.

Beruhend auf einer Branchenanalyse von Formlabs.

Positiv zu vermerken ist, dass die Nutzung medizinischen 3D-Drucks steigt und sich somit auch die klinischen Nachweise mehren. Wir gehen davon aus, dass eine allgemeine Kostenübernahme durch Kostenträger demnächst erfolgt, wenn dieser Trend anhält. 

Erfassung der Operationserfolge und Kosteneinsparungen

In Krankenhäusern werden viele Produkte ohne Kostenübernahme oder einen entsprechenden Code verwendet. In einem Krankenhaus hat der Einkauf von Technologien und Dienstleistungen Priorität, die klinische Erfolge liefern, Kosten reduzieren, den guten Ruf stärken oder von ärztlicher Seite empfohlen werden. Da die Kostenerstattung im Allgemeinen noch nicht gegeben ist, verfolgen Einrichtungen diese Kriterien eher, um die Finanzierung des medizinischen 3D-Drucks begründen zu können. 

Die Aufzeichnung von Operationserfolgen und Kosteneinsparungen kann als Strategie eingesetzt werden, sowohl die Erstfinanzierung als auch jährliche Kostenbeiträge zu sichern. In der durch Peer-Review validierten Fachliteratur wurde gezeigt, dass der Einsatz von 3D-gedruckten Anatomiemodellen und Bohrschablonen die Operationsdauer merklich verringert und auf diese Weise, die in der Tabelle unten gekennzeichneten durchschnittlichen Einsparungen, ermöglicht. 

Im Vergleich zu anderen Herstellern bietet Formlabs eine kostengünstige, hochwertige Lösung, sodass sich Analysen der klinischen Ergebnisse und Kosteneinsparungen noch mehr anbieten. Zur Verdeutlichung der Einsparungen durch 3D-Druck mit Formlabs hat unser Team einen Kapitalrendite-Rechner erstellt, mit dem Gesundheitssysteme die Amortisationszeit für den Kauf eines Formlabs-Druckers auf Basis der vermiedenen Operationskosten analysieren können. Im Folgenden haben wir die Nutzung des Rechners für ein großes regionales Gesundheitssystem veranschaulicht, das insgesamt 60 000 Eingriffe pro Jahr an seinen Standorten durchführt.

Falls Sie weitere Informationen zum Rechner oder Anwendungsmöglichkeiten für Ihre Einrichtung wünschen, wenden Sie sich bitte an [email protected].  

Interne Abrechnung

Im Gegensatz zu Technologien, die nur eine bestimmte Anforderung in einem Krankenhaus erfüllen, können 3D-Drucker von mehreren Abteilungen zu verschiedenen Zwecken eingesetzt werden. Beispielsweise könnte die Radiologie einen Formlabs-Drucker kaufen und mit mehreren chirurgischen Abteilungen zusammenarbeiten, um Anatomiemodelle für die Operationsplanung zu drucken. Die Drucker können in der medizinischen Ausbildung genutzt werden, um anatomische Modelle für die Anatomielehre oder für Simulationen von Eingriffen zu erstellen. Zuständige Personen für die Lieferketten hingegen verwenden sie, um Engpässe bei der Versorgung mit persönlicher Schutzausrüstung zu überbrücken, wie sie etwa während der COVID-19-Pandemie in zahlreichen Gesundheitssystemen auftraten. Bei breit gefächerten Gesundheitssystemen könnten auch Zahnkliniken vom Einsatz der Drucker profitieren. 

In der Regel hat jede dieser Abteilungen ein eigenes Budget; es ist aber wahrscheinlich, dass primär eine Abteilung den Drucker und die Materialien von Formlabs erwirbt. Eine Lösung hierfür liegt darin, die Nutzung des 3D-Druckers intern abzurechnen. Die Abteilung, der der Drucker gehört und die primär die damit verbundenen Kosten trägt, verfolgt seine Nutzung intern und fordert von anderen Abteilungen Zahlungen für diese Nutzung ein. So können Einrichtungen die Kosten des Druckers intern verteilen und die Nutzung des Druckers durch mehrere Abteilungen zu verschiedenen Zwecken unterstützen. 

Forschungsförderung und Zuschüsse

Medizinische Forschung wird oft sowohl durch Regierungs- als auch durch private Mittel gefördert, um wissenschaftliche Innovationen und medizinische Entwicklungen zu unterstützen. Der 3D-Druck kann bei der Erstellung von Prototypen für Medizinprodukte, dem Tissue Engineering (Gewebekonstruktion oder -zucht), operativen Anwendungen und vielen anderen Aufgaben der Forschung und Entwicklung eine Rolle spielen. Daher bleibt die Zuschussfinanzierung eine häufige Finanzierungsquelle für den medizinischen 3D-Druck, vor allem in Lehrkrankenhäusern und anderen führenden Forschungseinrichtungen. 

In den USA ist das National Institute of Health (NIH) der führende behördliche Finanzträger (mit ca. 32 Milliarden US-Dollar an vergebener Zuschussfinanzierung jährlich) biomedizinischer Forschung, doch es gibt Dutzende weitere Behörden, die wissenschaftliche Forschung unterstützen. Außerdem werden Mittel von gemeinnützigen Organisationen, klinischen Verbänden und privaten Unternehmen bereitgestellt. Einrichtungen sollten die öffentlichen und privaten Träger, die ihr Forschungsgebiet am wahrscheinlichsten finanzieren werden, recherchieren und validieren.

Die richtige Lösung wählen

Wenn in Krankenhäusern und Gesundheitssystemen Interesse an der Finanzierung eines Programms für medizinischen 3D-Druck besteht, sollte erst intern mit den involvierten Parteien aus etwa der Radiologie, Chirurgie und Verwaltung eine auf die Anforderungen der Einrichtung zugeschnittene Finanzierungsstrategie erarbeitet werden. Für ein akademisches Lehrkrankenhaus, das den Formlabs-Drucker primär für Forschungs- und Entwicklungsprojekte nutzt, könnte die zuschussbasierte Förderung am besten geeignet sein. Für Einrichtungen, die die Drucker für mehrere Abteilungen und Zwecke verwenden möchten, könnte ein internes Abrechnungssystem passender sein. Bei Einrichtungen mit fortgeschritteneren Programmen zum 3D-Druck, könnten Kostenträger für medizinischen 3D-Druck in Frage kommen. 

Haben Sie Fragen zur Finanzierung eines Programms für medizinischen 3D-Druck? Kontaktieren Sie uns über formlabs.com/ch/medical oder per E-Mail an [email protected]