3D-Druck für Schmuckgießereien: Spezialisierung und neue Umsatzmodelle

18. July 2018 in Interviews , News

Die Anzahl der Gießereien, die Designdateien von Juwelieren entgegennimmt, um digitale 3D-Design zu drucken, zu gießen und zu polieren, nimmt zu. Schon lange sind es nicht mehr die unabhängigen Schmuckdesigner, die nach 3D-Druckmaterialien verlangen, sondern auch die Gießereien selbst.
Ein Desktop 3D-Drucker, der traditionelle Werkzeuge ergänzt, stellt für immer mehr Gießereien einen Mehrwert dar, mit dem sie die stets wachsende Kundschaft aus „digitalen“ Juwelieren bedienen können.

Der Aufstieg der digitalen Juweliere

Digitale Juweliere arbeiten in erster Linie mit CAD und fertigen ihre Designs mithilfe von 3D-Druck. In diesem Artikel lernen wir die Geschichte von zwei Gießereien kennen, von Q Branch Bespoke Casting und der Ulrich Wehpke GmbH, die den 3D-Drucker Form 2 als Teil ihrer umfassenden Dienstleistungen für Juweliere genutzt haben.

Q Branch Bespoke Castings und die Ulrich Wehpke GmbH stehen auf der Liste der empfohlenen Gießereien für Formlabs Schmuckmaterialien..

Wertschöpfung durch individuelle Designs

Q Branch Bespoke Casting mit Sitz in Großbritannien wurde 2016 von Dan Roe gegründet, der den 3D-Druck seit 2006 nutzt und seit 2008 gießt.
Roe ist seit seinem 15. Lebensjahr in der Schmuckbranche tätig. Sein Unternehmen spezialisiert sich auf Platin-, Palladium- und Goldguss, also auf die Metalle, die im Schmuckhandwerk am schwersten zu gießen sind. Roe und sein Team verwenden den Form 2 seit Dezember 2017 als den einzigen harzbasierten 3D-Drucker in ihrer Werkstatt.

3D-Druck bei Q Branch

QQ Branch Bespoke Casting arbeitet mit Schmuckdesignern, Herstellern und Goldschmieden, um CAD-Modelle in Harz zu drucken und die Teile in Metall zu gießen. Sie fertigen auch Kautschukformen zum Spritzgießen von Wachs und nutzen 3D-Scantechnologie.
Der Form 2 ist Teil des täglichen Arbeitsprozesses des Teams und bietet die Benutzerfreundlichkeit und Schnelligkeit der Prototypenherstellung für Kunden, die das Design noch einmal ansehen können, bevor sie eine endgültige Entscheidung treffen. Zuvor nutzte das Unternehmen ein Gerät von EnvisionTEC.
„Wir nutzen den Form 2 am häufigsten, um Modelle für unsere Kunden und deren Endkunden zu fertigen, damit diese sie ansehen und anprobieren können, bevor es mit den Edelmetallen losgeht“, so Roe.
„Ein Edelmetallguss ist nur so gut wie das bereitgestellte Modell. Der Form 2 bietet für seinen Preis ein ausgezeichnetes Gleichgewicht von zwei wichtigen Faktoren: Detailgrad und Oberflächengüte.“

A 3D printed jewelry box.
Dieses Schmuckkästchen von Timothy Roe Fine Jewellery mit dem Namen „The Journey of Life“, wurde speziell für einen goldenen Bisamapfel angefertigt, der vom UK Alzheimers Trust versteigert werden soll.

Der Form 2 ergänzt die industriellen 3D-Drucker der Gießerei und hilft oft bei Fertigungsengpässen während der Hochsaison.
„Wir verwenden neben dem Form 2 andere 3D-Drucker, die gut funktionieren, aber langsam sind. Wir hatten vor kurzem einen großen Auftrag für einige sehr große Teile, die nach dem Gießen zu einem Kasten montiert werden sollten. Sie hätten unsere anderen Drucker tagelang in Anspruch genommen, doch mit dem Form 2 konnte ich alle Teile an einem Wochenende drucken“, erzählt Roe.
„Die Maschine eignet sich großartig für Engpässe – wenn alle anderen Drucker laufen, erhalten wir kurz vor Geschäftsschluss häufig noch Aufträge. Wir haben die Kapazität, die bestellten Teile auf dem Form 2 zu bauen, damit sie schon am nächsten Tag in den Feinguss gehen können.“

Erfahren Sie, wie Studenten der Copenhagen School of Design and Technology (KEA) in Dänemark digitale Werkzeuge zusammen mit traditionellen Techniken nutzen, um der Konkurrenz immer einen Schritt voraus zu sein und zu lernen, wie sie ihr Geschäft ausweiten können.

Entwicklung der Schmuckherstellung aus der Perspektive eines Gießers

Die 3D-Drucktechnologie hat das Verfahren der Schmuckherstellung revolutioniert und Q Branch hat seine Kenntnisse der Technologie genutzt, um sich ebenfalls weiterzuentwickeln.
„Aus der Perspektive des Gießers haben ich den Fortschritt von handmodellierten Wachsmodellen, handgefertigten Urmodellen für die Formherstellung, über auf 2 Achsen gefräste Wachsmodelle und die Anfänge von CAD-CAM bis hin zu 3D-gedruckten Thermoplasten und den aktuellen Photopolymerharzen und Stereolithografie-(SLA)- und Digital Light Processing-(DLP)-Geräten gesehen“, so Roe.
„Die Verfügbarkeit erschwinglicher 3D-Drucker macht es viel einfacher, einzigartige Teile zu fertigen und Designs zu iterieren, wenn man eine Kollektion plant und zusammenstellt.“

3D-Druck als Hauptgeschäftsmodell

Traditionelle Gießereien gehen von wachsbasierten Gießverfahren und industriellen 3D Druckern zur Nutzung von Desktop 3D-Druckern wie dem Form 2 für Druck und Guss über.

Ulrich Wehpke, , eine Gießerei in Krefeld, ist vor etwa drei Jahren auf SLA 3D-Druck umgestiegen. Das Team aus drei Goldschmieden, das seit über 30 Jahren mit Guss arbeitet, gießt verschiedene Metalle einschließlich Silber- und Goldlegierungen sowie Platin. Sie sind für den Guss von Verlobungs- und Trauringen sowie für gravierte Herrenringe bekannt. Als Nebengeschäft führt Wehpke Reparaturen von Schmuck und Uhren durch.

  • 1967: Wehpke wird von Ulrich Wehpke als Goldschmiede mit kleinem Ladengeschäft gegründet.
  • 1980: Wehpke schließt das Geschäft und konzentriert sich vollständig auf die Werkstatt, die Juweliere im ganzen Bundesgebiet beliefert.
  • 2000: Kauf der ersten 3-Achsen-CNC-Fräse.
  • 2001: Der Einsatz von Rhino CAD beginnt.
  • 2005: Kauf der ersten 5-Achsen-CNC-Fräse und eines Solidscape T66 Wachsplotters. CAD-, Prototypen- und Gussdienstleistungen werden zusammen mit der traditionellen Goldschmiedearbeit angeboten, um vollendeten Schmuck anzubieten.
  • 2008: Kauf des ersten industriellen 3D-Druckers.
  • 2011: Guss der ersten Harzmodelle.
  • Heute: 3D-Druck ist ein wichtiger Teil des Geschäfts; es werden Modelle gegossen, die auf dem Form 2 gedruckt wurden.

Einige Jahre lang waren die Geräte von Solidscape und EnvisionTEC die Hauptstützen der Druckarbeiten der Goldschmiede, die beim Druck von Modellen durch einen Asiga Pico unterstützt wurden.
„Unsere ersten Maschinen mussten häufig repariert werden und brauchten viel Zeit zum Hochfahren, wenn sie nicht rund um die Uhr in Betrieb waren“, erinnert sich Ulrich Wehpke. „Deswegen entschieden wir uns, für unsere Kunden nur noch auf 3D-Druck mit Harz zu setzen. Einer meiner Freunde kaufte einen Formlabs Form 2 und führte einige Probedrucke für uns durch. Wir waren sehr beeindruckt – die Details waren viel besser, als wir es ursprünglich erwartet hatten.“

3D printed ring shanks, a men’s ring, and a geometric pendant.
Einige der gedruckten Designs von Wehpke, darunter Ringschenkel, ein Herrenring und ein geometrischer Anhänger.

Erweitertes Angebot mit dem Form 2

Wehpke kaufte einen Form 2 3D-Drucker und begann, Modelle mit Formlabs Castable Resin zu gießen.
Ein Nebeneffekt der Arbeit mit Formlabs Produkten war, dass der Betrieb Modelle von anderen Form 2 Besitzern erhielt, die Ihre Designs gießen lassen wollten.
„Nachdem Formlabs beliebt geworden war, schickten uns viele Unternehmen Kunstharzmodelle, die sie auf dem Form 2 gedruckt hatten und gießen lassen wollten. Das wurde ein wichtiger Teil unseres Geschäftsmodells“, so Wolfram Wehpke, der Sohn des Eigentümers.
„Die heutigen unabhängigen Schmuckdesigner, die einen digitalen Workflow nutzen, arbeiten jetzt häufiger mit Gießereien wie Wehpke zusammen, die Formlabs Materialien problemlos gießen können. Der Vorteil von Wehpke ist nicht nur, dass der Betrieb harzbasierte Materialien gießen kann, sondern auch bestens mit dem Form 2 und der SLA-Technologie vertraut ist.
Wehpke nutzt den Form 2 vor allem, um die Ringe Eternity und Solitaire zu drucken, da sich diese Designs seiner Meinung nach wegen ihrer Haltbarkeit und Attraktivität gut für den Druck eignen.

Die Spezialisierung für Gießereien nimmt zu

Wehpke ist dafür bekannt, Platin-Iridium-Legierungen zu gießen. Das Material ist in den letzten Jahren immer beliebter geworden, doch nicht viele Unternehmen können dieses besondere Metall gießen.
„Es dauerte einige Zeit, um die besten, einheitlichsten Gussergebnisse mit den vielen Metallen zu erzielen, mit denen wir arbeiten“, so Wehpke. „Doch es ist die Arbeit wert, da wir jetzt unsere eigenen Modelle und die Modelle, die uns unsere Kunden zusenden, problemlos gießen können.“

Wehpke’s cast of a geometric pendant.
Wehpkes Guss eines geometrischen Anhängers.

Differenzierung in einer sich entwickelnden Schmuckbranche

Q Branch Bespoke Castings und die Wehpke GmbH sind nur zwei Gießereien von vielen, die 3D-Druckdienstleistungen zusätzlich zu ihrem traditionellen Angebot von Guss und Nachbearbeitung anbieten.
Der Form 2 ist ein wichtiges Werkzeug für diese Gießer, die einen zuverlässigen, erschwinglichen und genauen 3D-Drucker wünschen, der die Kundenwünsche befriedigen kann. Hinzu kommt ihre reichhaltige beim Guss von harzbasierten Modellen, wodurch sie einen Vorteil gegenüber traditionellen Gießereien haben, die nach wie vor größtenteils Wachsmodelle gießen.
„Die Technologie ist absolut beeindruckend, doch als Handwerk dürfen wir die traditionellen Fähigkeiten nicht vergessen und müssen unsere Kenntnisse bei deren Einsatz in der Schmuckherstellung einbringen“, so Roe. „Es ist eine sehr spannende Zeit in der Schmuckbranche.“

Erfahren Sie mehr darüber, wie ein Form 2 Desktop SLA-3D-Drucker Ihrer Gießerei helfen kann, oder kontaktieren Sie Formlabs, um herauszufinden, wie Ihr Betrieb auf die Liste der von Formlabs empfohlenen Gießereien kommt. Erfahren Sie, wie andere Unternehmen 3D-Druck nutzen, um ihr Geschäft zu revolutionieren, wie etwa egf Manufaktur, die digitale Tools nutzt, um die Individualisierung in den Schmuckhandel einzuführen.

Individualisierung im Schmuckhandel

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