Der Weg zum 3D-gedruckten Auto: 12 Gründe, warum der 3D-Druck die Automobilindustrie revolutioniert

Ein stylisches weißes Konzeptfahrzeug in einer Garage.

Auch wenn Sie noch kein 3D-gedrucktes Auto beim Händler kaufen können, wird 3D-Druck in allen Phasen des Automobildesigns, der Entwicklung und der Fertigung eingesetzt.

Inzwischen gibt es auf jeder Ebene der Fahrzeugentwicklung und -produktion Experten, die Prototypen, Produktionshilfsmittel, Ersatzteile und Nachrüstkomponenten für Autos mit 3D-Druck herstellen. 3D-Druck kann Lieferketten enormen Mehrwert bieten, indem er ein breites Spektrum an Produktionsanwendungen erschließt.

Da 3D-Drucklösungen immer erschwinglicher werden – auch im industriellen Bereich –, können sowohl Unternehmen als auch Einzelpersonen den 3D-Druck nutzen, um schnell neue Produkte und Fahrzeugkomponenten zu entwerfen. Während es zuvor aufgrund mangelnder Materialfestigkeit und Haltbarkeit nicht möglich war, Autoteile für den Endverbrauch zu drucken, können fortschrittliche 3D-Druckmaterialien nun den rauen Umgebungen der Automobilbranche standhalten.

Im Folgenden stellen wir zwölf wesentliche Wege vor, wie der 3D-Druck Innovationen in der gesamten Automobilindustrie vorantreibt, vom Design bis zur Fertigung und darüber hinaus. Sie können zudem mit unserem Team über ein Automobilprojekt sprechen, an dem Sie arbeiten, um herauszufinden, ob die Stereolithografie (SLA) oder das selektive Lasersintern (SLS) von Formlabs das Richtige für Sie ist.

SLS-3D-gedruckte Autobauteile für die Endverwendung

3D-gedruckte Teile kommen uns allen mittlerweile auf den Straßen entgegen: Von alteingesessenen Herstellern wie BMW bis hin zu kleinen Werkstätten, die sich auf Individualisierung und Leistung spezialisiert haben, gewinnt der 3D-Druck in der Automobilproduktion an Fahrt.

Auch wenn die meisten Anwendungen noch immer Kleinserien sind, wie zum Beispiel Nachrüstteile, gibt es bereits einige größere Produktionsvolumen und Möglichkeiten – zum Beispiel, wenn Sie einen BMW X7 an sich vorbeirasen sehen, können Sie sicher sein, dass sich in seinen Sitzbaugruppen eine SLS-3D-gedruckte Klammer befindet.

Überbrückungsfertigung: 3D-Druck für den BMW X7

In jedem dritten Neufahrzeug, das heute vom Band läuft, ist mindestens ein Bauteil von Brose verbaut – einem der fünf größten familiengeführten Automobilzulieferer der Welt. Mit jedem Jahr werden immer mehr dieser Komponenten mit 3D-Druck hergestellt.

Für die Sitzbaugruppe des BMW X7 musste Brose kreativ werden, um die Auswirkungen von Lieferkettenproblemen auf den Produktionszeitplan zu umgehen. Für einen Clip, der in der Basis des Sitzrahmens verwendet wird, entschied sich Matthias Schulz, Manager für Sitzprototypen bei Brose, das hohe Produktionsvolumen und die langlebigen Materialien der SLS-Technologie zu nutzen.

Das Team von Brose druckte 250 000 Sitzklammern in nur wenigen Wochen aus Nylon 12 GF Powder auf seinen beiden SLS-Druckern Fuse 1+ 30W. In Zusammenarbeit mit dem Erstausrüster BMW zertifizierte das Brose-Team die 3D-gedruckten Clips für die langfristige Endverwendung in Sitzbaugruppen. Der SLS-3D-Druck ermöglichte es, den Gesamtproduktionsplan einzuhalten. Ohne diese Zwischenlösung hätte sich die Markteinführung des X7-Modells um Monate verzögern können, da ein neuer Spritzguss-Master konstruiert, bearbeitet, in Produktion genommen und dann aus dem Ausland verschickt hätte werden musste.

3D-gedruckte Teile von BMW

„Wir entschieden uns, auf den Formlabs-Zug aufzuspringen. Die Materialauswahl und die Einheitlichkeit der Drucke haben sich so stark verbessert, dass die Technologie nun auch für den Einsatz in der Automobilindustrie bereit ist. Insbesondere bei den OEMs gibt es Sicherheits- und Haltbarkeitsbedenken. Wir versuchen, diese auszuschließen. Und in Zusammenarbeit mit Formlabs haben wir bewiesen, dass wir Teile wie die für den aktuellen BMW X7 in der Praxis implementieren können.“

Matthias Schulz, Leiter der Prototypenentwicklung für Sitze, Brose North America

Maßgefertigte Polizeiautos bei MOSOLF

In Deutschland ist nach Schätzungen von Carsten Busam, Leiter der Projektplanung bei MOSOLF Special Vehicles GmbH, in mehr als einem Drittel der Polizeifahrzeuge ein additiv gefertigtes Teil verbaut. MOSOLF stellt jedes Jahr 1000 „Sonderfahrzeuge“ wie Polizeiautos und Einsatzfahrzeuge her. Mit der Integration mehrerer Fuse 1+ 30W SLS-3D-Drucker in ihren Arbeitsablauf kann das Team nun gebrauchsfertige Autoteile und Zubehörteile 3D-drucken, die die Leistung dieser Fahrzeuge verbessern. 

Ersthelfer müssen sich auf ihre Transportmittel und die Qualität ihrer Werkzeuge verlassen können. MOSOLF druckt Kfz-Halterungen, Halter, Vorrichtungen und mehr aus Nylon 12 Powder. Die Langlebigkeit des robusten SLS-Pulvers ermöglicht die Herstellung von Endverbrauchsteilen, die der Abnutzung durch den Einsatz von Notfallhelfern standhalten. Neben der Haltbarkeit des Materials hat der SLS-3D-Druck für Busam und sein Team auch in puncto Geschwindigkeit einen Unterschied gemacht.

„Der größte Effekt des 3D-Drucks auf die betriebsinterne Fertigung ist, dass wir in vielen Bereichen deutlich schneller geworden sind. Mit den herkömmlichen Verfahren haben wir Lieferzeiten von vier bis sechs Wochen, vor allem wenn die Teile beschichtet werden müssen. Mit 3D-Druck können wir Teile praktisch über Nacht beschaffen. Hätten wir keinen Zugang zum 3D-Druck, wären unsere Arbeitsabläufe deutlich langwieriger und komplizierter, weil wir jedes Teil wahrscheinlich mehrmals fertigen und anpassen müssten.“

Carsten Busam, Leiter der Projektplanung, MOSOLF Special Vehicles GmbH

Fertigung individueller Steuersysteme für Maschinen und Fahrzeuge mittels SLS-3D-Druck

Durch eine besondere Texturierung der 3D-Druckdaten erhalten die Gehäuseteile eine Lederoptik, durch die sich nicht mehr erkennen lässt, dass das Bauteil 3D-gedruckt ist.

Durch eine besondere Texturierung der 3D-Druckdaten erhalten die Gehäuseteile eine Lederoptik, durch die sich nicht mehr erkennen lässt, dass das Bauteil 3D-gedruckt ist.

IBL Hydronic ist ein deutscher Hersteller von Maschinenlösungen für elektronische, hydraulische und Softwarebaugruppen in Industriefahrzeugen. Das Unternehmen nutzt SLS-3D-Druck, um Endverbrauchsteile in Kleinserien schnell, effizient und kostengünstig zu entwerfen und herzustellen.

Für einen Landmaschinenhersteller entwickelte IBL Hydronic kürzlich ein Bedienfeld, das auf eine bestimmte Maschine zugeschnitten sein musste. Nach nur einem Monat Prototyping, Montage und Tests stellte IBL dem Kunden die Komplettlösung vor.

Die Gehäuse der Fahrzeugkomponenten wurden mit dem SLS-Drucker Fuse 1 gedruckt, dann zusammengebaut und mit einem Lederpolster versehen. Um nicht nur ein funktionales sondern auch optisch ansprechendes Modul zu bauen, hat man im Designprozess der 3D-Druckdaten eine Texturierung der Oberfläche vorgenommen. Anschließend wurden die SLS-3D-gedruckten Bauteile mittels eines Färbebads nachgefärbt und geglättet. Das Ergebnis: eine lederartige Oberflächenstruktur der SLS-Endbauteile, die diese optisch aufwertet und das ganze Design abrundet.

„Durch die einfache Handhabung und die wenigen Arbeitsschritte beim SLS-3D-Druck kann man sich rein auf das Produkt und das Konstruieren konzentrieren. Das erleichtert unsere Prozesse enorm.“

Tom Heindl, Technischer Produktdesigner für 3D-Druck, IBL Hydronic

3D-gedruckte Ansaugkrümmer

Für die Rennmeisterschaft „12 Pollici Italian Cup“ fuhr der Sieger Elia Marescutti mit einem 3D-gedruckten Ansaugkrümmer – gedruckt auf Formlabs SLA-3D-Druckern mit Rigid 10K Resin.

Der 3D-gedruckte Ansaugkrümmer hielt nicht nur den Belastungen eines Hochleistungsrennens stand, sondern schnitt sogar besser ab als der herkömmlich gefräste Aluminiumkrümmer. Mit einer Wärmebildkamera wurde festgestellt, dass der aus Rigid 10K Resin gefertigte Krümmer eine um 40–50 °C niedrigere Temperatur aufwies als das herkömmliche Aluminiumbauteil, und viel schneller abkühlte, was die Handhabung der Baugruppe nach dem Rennen erleichterte.

3D-gedruckte Armaturen und Telemetrieanzeigen

Teile für BTI Gauges, einen Hersteller von Auto-Anzeigen für den Nachrüstmarkt, die auf dem selektiven Lasersinterdrucker Fuse 1 gedruckt wurden.

Durch den SLS-3D-Druck von Armaturen und Telemetrieanzeigen kann BTI Gauges die Anforderungen seiner Kunden schnell und kostengünstig erfüllen.

Wie für viele erfolgreiche Unternehmen hat auch für BTI Gauges alles mit einer Marktlücke begonnen. Gründer und Inhaber Brandon Talkmitt war auf der Suche nach einer Lösung, die Telemetrieanzeige seines Hochleistungsfahrzeugs zu individualisieren.

Vergeblich suchte er nach einer Anzeige, die mehrere Leistungswerte kombiniert, damit seine Windschutzscheibe nicht von Bildschirmen und Ablenkungen übersät war. Zunächst entwarf er Prototypen des Anzeigegehäuses auf einem Schmelzschichtungsdrucker (FDM) und testete sie persönlich. Er setzte sie im Fahrzeuginneren oder im Ofen hohen Temperaturen aus. Und er passte das Design an, damit es in mehrere Fahrzeugmodelle passte. Nach der Evaluierung verschiedener Methoden für die Fertigung von Endverbrauchsteilen entschied sich Talkmitt dank seiner Langlebigkeit und Temperaturbeständigkeit für den SLS-3D-Druck. 

Da er in der Lage war, ein individuelles Design in nur wenigen Tagen zu liefern, war das Interesse an seinem Produkt sofort groß – insbesondere bei Kunden mit japanischen Rennwagen im Stil der 1990er Jahre, Lamborghinis, Dodge Vipers und anderen Hochleistungsfahrzeugen. Talkmitt hat gelernt, seine Konstruktionskammern so effizient zu bestücken, dass er einen nahezu abfallfreien Arbeitsablauf erzielt und seine Gesamtkosten senkt. 

Nur dank betriebsinterner Fertigung mit einem hochqualitativen SLS-Drucker wie dem Fuse 1 kontrollierte und sicherte das Unternehmen seine Produktionsleistung, was es über alle hinweg katapultierte, die auf traditionelle Fertigung und externe Zulieferer angewiesen waren. „Ich kann es nur empfehlen. Der Fuse 1 hat für uns komplett neue Maßstäbe gesetzt“, zieht Talkmitt Bilanz.

3D-Druck in der Automobilproduktion

Auch wenn 3D-gedruckte Endverbrauchsteile für Autos oft die spannendsten und berichtenswertesten Entwicklungen sind, ist der Einsatz von 3D-gedruckten Teilen in der Automobilproduktion (als Verbrauchsmaterialien für die Produktion, auch als Fertigungshilfsmittel bezeichnet) vielleicht die eigentliche spannende Thematik, zumindest in Bezug auf Kosteneinsparungen und Effizienz für die Hersteller.

In der Automobilproduktion gibt es Hunderte von kundenspezifischen oder in geringer Stückzahl gefertigten Komponenten wie Vorrichtungen, Halterungen, Befestigungen, Halter, Prüfstrukturen und mehr. Der 3D-Druck bietet eine kostengünstige Option, die Hersteller schnell umsetzen können, um ihre Produktionslinie am Laufen zu halten.

Roboter-Schweißvorrichtungen noch am selben Tag mit dem Form 4L bei Brose

Der Form 4L liefert großformatige Teile noch am selben Tag, wie etwa diese Passungsvorrichtung zum Schweißen aus Fast Model Resin. 

Bei Brose North America, wo ein Team für additive Fertigung eine Flotte von SLA- und SLS-Druckern betreibt, müssen die Schweißroboter ständig zwischen verschiedenen Produktlinien wechseln. In einem Produktionswerk sind Schweißmaschinen auf eine einzige Produktlinie programmiert. Im Hauptsitz gibt es jedoch zwei robotische Maschinen, die für das Schweißen von Sitzprototypen aller Produktlinien zuständig sind.

Jedes Mal, wenn der Roboter auf eine neue Produktlinie umgestellt werden muss, muss die Schweißabteilung seine Parameter neu programmieren. Die Programmierung eines Schweißroboters mit Schienenprototypen aus Metall ist teuer, und oft stehen die Teile noch nicht zur Verfügung, wenn die Schweißstation für die Programmierung der Geräte bereit ist. Der 3D-Druck bietet hier eine schnelle und kostengünstige Lösung, denn die Teile zur Einrichtung der Fertigungszelle erfordern Schnelligkeit und Maßgenauigkeit.

„Wir nutzen den Form 4L zum Drucken von Teilen für unsere Schweißzelle in nur wenigen Stunden statt über Nacht. So kann das Schweißerteam von Brose den Roboter programmieren, bevor die gestanzten Metallbauteile eintreffen. Mit dem neuen Fast Model Resin erreichen wir den nötigen Detailgrad und die nötige Steifigkeit schneller als je zuvor.“

Matthias Schulz, Leiter der Prototypenentwicklung für Sitze, Brose North America

Wie Dorman Products Testvorrichtungen für Autoteile mit 3D druckt

Testvorrichtung für die Schlauchprüfung unter Druck.

Eine der beiden Testvorrichtungen für die Schlauchprüfung unter Druck. 

Zweite individuelle Testvorrichtung.

Die maßgefertigte Vorrichtung zur Simulation der Geometrie des Gegenstücks, sodass kein vollständiger Heizkörper für die Passungsprüfung benötigt wird.

Dorman Products blickt auf eine hundertjährige Geschichte als Hersteller von Kfz-Bauteilen für den Aftermarket zurück und hat mithilfe von 3D-Druck seine Produktionsdauer verkürzt und die Qualität gesteigert. Das Unternehmen stützt sich dabei auf acht 3D-Drucker an zwei Standorten, um mit der ständigen Flut neuer Ausführungen und Modelle von den Erstausrüstern (OEMs) Schritt zu halten.

Da jedes Produkt eine andere Funktion erfüllt, sind auch alle Testprotokolle und Validierungsprozesse verschieden. Wenn etwa eine Durchflussprüfung für die Valdierungsprozesse gleich zweier verschiedener Teile erforderlich ist, werden aufgrund der verschiedenen Teilgeometrien dennoch unterschiedliche Halterungen benötigt. Hier kommt der 3D-Druck ins Spiel: Dorman kann für jedes Teil maßgeschneiderte Testvorrichtungen entwerfen und sie noch am selben Tag drucken. Vorrichtungen und Anzeigen konnten fünf bis zehn Wochen auf sich warten lassen, wenn sie aus einer Werkstatt kamen.

„Wir können Bauteile mit Leichtigkeit entwerfen und herstellen, sind nicht durch traditionelle Fertigungsmethoden eingeschränkt und wir haben auch anderen Abteilungen beigebracht, dass Hinterschneidungen oder Grate jetzt keine Zusatzkosten mehr verursachen wie bei der Zerspanung. Das hat Türen geöffnet und unserem Team neue Ideen verschafft, um Vorrichtungen genau so zu entwerfen, wie sie sie haben wollen.“

Chris Allebach, Leiter der additiven Fertigung, Dorman Products

Kostensenkung in der Montagelinie von Autos

EOL-Verbinder

Dieser End-of-Line-Verbinder (EOL) wird in der letzten Phase der Montage des Autositzes eingesetzt. Nachdem der Sitzrahmen mit dem Strom verbunden und letzte Prüfungen durchgeführt wurden, wird das Teil für die nächste Phase des Prozesses entnommen. Hierbei wurde der elektrische Anschluss oftmals vergessen, sodass beim Entfernen des Sitzes das Kabel durchbrach, was einen Schaden von mehreren hundert Dollar am Montageband verursachte und die Produktion stoppte.

Gemeinsam mit dem Team von New Boston entwickelte das Team für additive Technologien eine magnetische Verbindungsleitung. Sie lässt sich leicht an der Leine und dem Sitzrahmen befestigen, springt aber ohne Schaden ab, wenn der Techniker den Sitzrahmen wegzieht, ohne die Schnur manuell zu entfernen. 3D-gedruckte Fertigungshilfsmittel für die Automobilindustrie verringern den Verschleiß der Maschinen und können die Zahl der Bedienfehler reduzieren, wodurch Geld für Ersatzteile gespart und Ausfallzeiten für das Unternehmen verringert werden.

Pankl Racing Systems: Kostenreduktion in der Fertigung von Hochleistungsfahrzeugen

Person neben einem Drucker
3D-gedruckte Haltevorrichtungen

Pankl Racing Systems hat sich auf die Entwicklung und Herstellung von Motor- und Antriebskomponenten für Rennwagen, Hochleistungsfahrzeuge und Luft- und Raumfahrtanwendungen spezialisiert, darunter Formel-1-Autos und Marine One (das Flugzeug des United States Marine Corps, das den US-Präsidenten befördert).

Pankl muss nicht nur die Bauteile für die Endverwendung selbst entwerfen, sondern auch eine Reihe von kundenspezifischen Vorrichtungen, Halterungen und Werkzeugkomponenten entwickeln, um diese Bauteile herzustellen. Diese Teile werden in kleinen Stückzahlen hergestellt und sind hochspezifisch, weshalb sich der 3D-Druck als kostengünstigste und effizienteste Methode zu ihrer Herstellung erwiesen hat. Die Einführung von SLA-3D-Druckern und -Materialien hat die Gesamtkosten für die Entwicklung bei Pankl erheblich gesenkt.

Für die Montage eines Fahrzeugsgetriebes musste Pankl Stahlteile maschinell bearbeiten, gefolgt von mehreren zusätzlichen Heiz- und Kühlprozessen – für jeden einzelnen war eine kundenspezifische Vorrichtung erforderlich. Die Auslagerung dieser Vorrichtungen an eine Werkstatt hätte sechs Wochen länger gedauert. Stattdessen druckte Pankl sie auf Form SLA-Druckern mit einer frühen Version von Tough 1500 Resin.

„Wir haben bereits erfolgreich 3D-gedruckte Teile in unsere Produktionslinie integriert, und ich sehe unzählige weitere Anwendungen, die vom 3D-Druck profitieren könnten.“

Christian Jöbstl, Prozesstechniker bei Prankl

3D-Druck im Automobildesign und Prototyping

Da Prototypen dank des 3D-Drucks deutlich schneller gefertigt werden können, wird Rapid Prototyping fast schon synonym mit 3D-Druck verwendet. Diese Technologie hat den Produktentwicklungsprozess revolutioniert.

Mittels 3D-Druck können Automobildesigner schnell einen Prototyp eines physischen Teils oder einer Baugruppe herstellen, vom einfachen Innenelement über ein Armaturenbrett bis hin zum maßstabgetreuen Modell eines ganzen Autos. Der Zugang zu 3D-Druckern in Industriequalität ermöglicht es Konstrukteuren in der Automobilindustrie, neue Dinge auszuprobieren, die die Leistung des Endverbrauchsteils nachahmen können, wodurch der Iterationszyklus verkürzt wird und gleichzeitig die Zahl der neuen Ideen, die ein Konstrukteur ausprobieren kann, steigt.

Entwicklung von Next-Gen-Modellen bei Ford

Die Ford Motor Company ist der sechstgrößte Automobilhersteller der Welt, produziert über 4 Millionen Fahrzeuge pro Jahr und beschäftigt weltweit über 175 000 Mitarbeitende. Das Herzstück des europäischen Geschäfts ist das 1930 gegründete Ford-Werk in Köln, das vor allem für die Montage des Ford Fiesta bekannt ist.

Im Wettlauf um die Entwicklung eines neuen Elektromodells ist Iterationsgeschwindigkeit alles. Die Designteams von Ford konnten sich jeden Tag neue Ideen für Autoteile ausdenken und diese im 3D-Drucker herstellen, um sie dann im Auto auf Passgenauigkeit und Haptik zu testen.

„Für den Entwicklungsprozess ist die additive Fertigung sehr wichtig. Sie gibt uns die Möglichkeit, Teile sehr schnell und effizient herzustellen und die Kosten zu senken … Sie macht uns im Vergleich zu unserer Konkurrenz viel wettbewerbsfähiger.“

Sandro Piroddi, Aufseher des Rapid Technology Centers, Ford

Die Autos von morgen - entworfen bei Vital Auto

Vital Auto – ein Kunde von Formlabs' am schnellsten wachsendem britischen Reseller SolidPrint 3D – erstellt hochwertige Prototypen und Konzeptfahrzeuge und durchläuft mit einer Vielzahl fortschrittlicher Werkzeuge, darunter eine große Flotte von Form 3L und Fuse 1 Druckern, schnell mehrere Iterationen.

Einer der ersten Aufträge des Unternehmens kam für den Konzept-Supersportwagen NIO EP9. Dabei musste das Team sofort extrem realistische Fahrzeugteilprototypen mit hoher Originaltreue anfertigen. Ihre Kunden, darunter Volvo, Nissan, Lotus, McLaren, Geely, TATA und viele mehr, wenden sich mit Ideen für nie zuvor gesehene Fahrzeugkonzepte an Vital Auto.

Um etwas völlig Neues zu entwerfen, zu testen und zu bauen, greift Vital Auto auf 3D-Drucker zurück, die Teile aus einer Vielzahl von Materialien und mit höchstmöglicher Qualität herstellen können. Die 14 3D-Drucker des Unternehmens, darunter mehrere Form 4L, Form 4 und Fuse 1+ 30W, laufen rund um die Uhr, um mit dem Umfang der laufenden Iterationen Schritt halten zu können. Von Lüftungsschlitzen über Türdichtungen und Bremssättel bis hin zu Türgriffen sind die 3D-Drucker ein integraler Bestandteil des Workflows.

„Dank des 3D-Drucks konnten wir bei einem spezifischen Projekt SLA und SLS kombinieren und uns durch verschiedene Designiterationen arbeiten. Wir konnten schnell unterschiedliche Iterationen produzieren, beide Prozesse kombinieren und für spezielle Eigenschaften nutzen, um zum fertigen Design zu gelangen. Dabei handelt es sich um alles Mögliche, von mechanischen Teilen bis zu transparenten Teilen, um die optische Qualität und die Leistung zu prüfen.“

Anthony Barnicott, Konstrukteur

Verbesserungen am Design der Luftansaugschläuche des Toyota Yaris GR mit 3D-Druck

Neuers Design des Luftschlauchs bei Forge Motorsport

Forge Motorsport, ein britischer Hersteller von Fahrzeugteilen für den Nachrüstmarkt, nutzt die 3D-Drucker von Formlabs, um Prototypen und funktionale Tests für Endverbrauchsteile von OEM-Modellen wie dem Toyota Yaris GR zu erstellen. 

Als das Modell veröffentlicht wurde, erkannte Forge die Möglichkeit, die Leistung des Fahrzeugs zu verbessern, indem sie die Größe des Luftansaugschlauchs vergrößerten und die Öffnung des Luftfilterkastens verlegten. Diese Änderungen würden Schwankungen der Ansauglufttemperatur verringern und es dem Fahrer erleichtern, die Motorleistung vorherzusehen, sowie die Gesamttemperatur senken. Nach dem Reverse Engineering des Teils und der umgebenden Baugruppe von Toyota konnten sie den Luftstrom in Solidworks simulieren und dann ein neues Modell entwerfen. Sie druckten den Luftansauschlauch des Fahrzeugs in Draft Resin und prüften die Passform, bevor sie für die endgültige Version auf Tough 1500 Resin umstiegen.

Der Kunde verwendete das 3D-gedruckte Teil fünf Monate lang in seinem Yaris GR und sammelte dabei Daten über die Leistung unter verschiedenen Bedingungen. Wie erwartet, zeigte das umgestaltete Bauteil eine verbesserte Leistung: Während das Standardbauteil eine Temperaturschwankung von 42–45 °C aufwies, lag die gemessene Ansauglufttemperatur des 3D-gedruckten Bauteils zwischen 35 und 36 °C. Weitere Informationen zum Reverse Engineering und 3D-Druck von Autoteilen finden Sie in unserem Webinar mit Forge Motorsport.

Mehr zum 3D-Druck in der Automobilbranche

All diese Beispiele haben gezeigt, dass der 3D-Druck sich bereits mehrfach als immense Bereicherung für Zulieferer, Erstausrüster und Verbraucher bewährt hat, wenn er kreativ eingesetzt wird, um die Markteinführungszeit zu beschleunigen und die Fahrzeugleistung zu steigern. In manchen Fällen überschreitet die 3D-Drucktechnologie Grenzen und hilft, völlig neue Möglichkeiten in Design und Herstellung zu erschließen. In anderen Fällen senkt die Technologie Produktionskosten und spart Zeit.

Mit wachsendem Verständnis der Möglichkeiten und Chancen des 3D-Drucks in dieser Branche sowie der stetigen Weiterentwicklung der Technologie und Materialien hin zu mehr Vielseitigkeit wird die additive Fertigung weiter an Dynamik gewinnen und weltweit die Art und Weise verändern, wie wir Fahrzeuge entwerfen, konstruieren und warten.